Autodynamisches Reflexionsprinzip bei Pferden, Timo mit seinem Pferd

Verändern ohne zu üben

Autodynamisches Reflexionsprinzip

Das autodynamische Reflexionsprinzip beschreibt eine Methode, die das Pferd als gesamtes System beurteilt und die Strategien danach ausrichtet. Mit dieser Methode wird es fast überflüssig, bestimmte Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das Stehen bleiben beim Aufsitzen, zu konditionieren.

Symptome sind keine Ursachen

Vorweg sei gesagt, dass alles, was wir am Pferd beobachten können, egal ob gut oder schlecht, lediglich Symptome sind. Das Loslaufen, beim Aufsitzen beispielsweise, ist ein sichtbares Symptom für eine nicht sichtbare Ursache. Das autodynamische Reflexionsprinzip ermöglicht es erstmals in der Geschichte der Pferdeausbildung, Ursachen zu lösen, völlig unabhängig von den Symptomen.

Konditionierung kratzt nur an der Oberfläche

Bleiben wir nochmal beim Loslaufen, wenn der Reiter aufsitzen will. Konditioniert man, dass das Pferd stehen bleiben soll, so lernt das Pferd nur, dass es stehen bleiben soll, egal wie die eigene intrinsische Motivation aussieht. Das wiederum führt beim Pferd zu Übersprungshandlungen.

Intrinsische Impulse sind wichtig

Wichtig hierbei ist, dass durch die Konditionierung des stehen Bleibens, egal auf welche Art und Weise, niemals die intrinsische Motivation des Pferdes verändert werden kann. Die intrinsische Motivation des Pferdes stellt allerdings die Ursache für das Loslaufen da. Woher diese innere Motivation kommt, ist im Moment unwichtig und wird in anderen Fachartikeln auf dieser Seite beschrieben. Alles, was wir dem Pferd konditionieren, entspricht extrinsischen Impulsen und bezieht sich lediglich auf Symptome.

Gelassenheitstraining ist überflüssig

Diese Problematik wird an einem weiteren Beispiel noch deutlicher. Pferde, die sehr schreckhaft sind, werden konventionell mit Gelassenheitstraining trainiert, um sie so gegenüber Reizen und Situationen abzustumpfen. Diese Vorgehensweise stellt einen klassischen Fehler in der Vorgehensweise da. Das Pferd wird nicht als Gesamtsystem betrachtet, denn die Schreckhaftigkeit ist lediglich ein Symptom für die Instabilität des Systems.

Fluchtreflex und Herdentrieb sind reduzierbar

Mit dem autodynamischen Reflexionsprinzip wird einerseits erstmals der Fluchtreflex abgebaut, als auch das System in seiner Gesamtheit stabilisiert. Dieser besondere Kniff gelingt nur durch die konsequente Reflexion und Beachtung bestimmter Mechanismen im Pferdegehirn. Wird beim Pferd beispielsweise der Fluchtreflex ausgelöst, so wird das durch den sogenannten Hirnstamm völlig autonom gesteuert.

Verstehen des Hirnstamms

Sobald der Hirnstamm aktiv ist, findet so gut wie kein rationales Denken mehr statt. Der Hirnstamm als ältester Teil des Gehirns ist durch eine Tür vom Rest des Gehirns, in dem rationale Vorgänge stattfinden, getrennt. Beim Pferd ist diese Tür immer etwas offen. Das erkennt man daran, dass Pferde deutlich schneller aus der Fassung zu bringen sind als Menschen.

Konditionierung zeigt keinerlei Wirkung

Was konventionelle Methoden alle gemeinsam haben, ist die Konditionierung. Mit Hilfe dieser Konditionierung wird versucht die Tür durch Ziehen zu schließen. Die Tür zum Hirnstamm kann von außen nicht geschlossen werden. Haben wir ein Pferd, das Angst vor Stangen hat, so werden Stangen temporär verbannt und das System wird mit Hilfe des autodynamischen Reflexionsprinzips stabilisiert, so dass sich das Problem an den Stangen auflösen kann.

Folgen des autodynamischen Reflexionsprinzips

Das Pferd wird gelassener, es wird selbstbewusster, die Stresstoleranz steigt. Sobald wir das bemerken, lassen wir das Pferd über Stangen gehen, die Angst sollte dann verschwunden sein. Wie ist das möglich? Ganz einfach! Durch eine bestimmte Vorgehensweise, die Druckspitzen im Bereich von 1-2 Sekunden vorsieht, wird die Tür zum Hirnstamm weiter aufgestoßen. In der anschließenden Reflexionsphase kann das System in die Reflexion kommen und die Tür verschließt sich immer weiter. Bemerken sie bei ihrem Pferd Probleme in irgendeiner Weise, so versuchen sie es mit dem autodynamischen Reflexionsprinzip. Lassen sie dazu ihr Pferd frei im Ring eine Runde traben, lassen ihr Pferd einen Richtungswechsel machen und wieder eine Runde traben und wieder einen Richtungswechsel machen und geben ihrem Pferd dann eine Pause von einer Minute. Das wiederholen sie noch weitere drei Mal nach genau diesem Muster und beenden das Training für diesen Tag. Geben sie ihrem Pferd am Folgetag eine Pause und wiederholen diese Vorgehensweise am dritten Tag. Nach kurzer Zeit sollten sie eine positive Veränderung bei ihrem Pferd bemerken.  Wenn sie mehr zu diesem oder anderen Themen wissen möchten, schauen Sie sich den Onlinekurs 5 Schritte zur maximalen Potenzialentfaltung an.

Kommentar verfassen

Scroll to Top