Geschichte von Regina und Merle

Thema: Charakterstarkes Pferd

Diesmal eine sehr bewegende und berührende Kundenrezension von Regina und ihrer Merle.

Regina hat >> Pferdepsychologie studiert << und in Merle ihren besten Lehrmeister gefunden.
Aber lest selbst…es lohnt sich!

Vielen, vielen Dank!

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Lieber Timo, liebe Gloria,

ihr habt unsere Mensch-Pferdewelt komplett umgekrempelt! Und weil unsere Begegnung mit euch für uns eine so enorme Bedeutung hatte und das Wichtigste für uns in diesem Jahr war, möchte ich am letzten Tag des Jahres unsere Geschichte hier einmal erzählen.
Mag sein, dass ich damit zwar hier komplett den Rahmen sprenge, aber ich möchte sie im Ganzen „loswerden“. Also, liebe Welt da draußen, nimm dir diese Viertelstunde Zeit, um sie zu lesen

Als ich Timo um Hilfe gebeten habe, war ich mit meiner jungen Tinkerstute Merle an einem Punkt, an dem ich nicht mehr vor noch zurück wusste. Ich wusste immer genau, dass die Probleme nicht an Merle lagen, sondern dass ich diejenige war, die ihr mit zu wenig Vertrauen und Selbstbewusstsein entgegengetreten ist. Ich wusste immer, dass Merle mich absolut dominierte und ich damit absolut nicht klarkam. Und sobald sie raus hatte, wie leicht es war, mich um den Finger zu wickeln, vertiefte sich diese Rollenverteilung immer mehr – in sämtlichen „Alltagssituationen“ mit ihr mir völlig unbewusst. Im Laufe der Monate (ich habe sie seit Juli 2017) hat sich dies dann immer weiter vertieft und gefestigt und unbewusst habe ich immer weiter dazugebuttert, dass ich immer kleiner und selbstloser vor ihr wurde. 

Am Ende ging dann so ziemlich gar nichts mehr: Ich durfte sie nicht anfassen, nicht streicheln, nicht putzen, nicht einmal in ihre Nähe, ohne dass sie mich androhte, nach mir schnappte, mich umrannte und manchmal trat – sofern sie nicht gleich türmte, sobald ich auch nur in Sichtweite war. Sie draußen an der Hand zu führen glich einem reinen Kräftemessen. Wer wen im Griff hatte, kann man sich wohl denken. Ich war mit nichts anderem beschäftigt, als mit dem Kopf oben und den Füßen am Boden zu bleiben und bloß das Seil nicht loszulassen. Geritten habe ich sie freiwillig nicht.
In der Zeit hatte ich gerade mein Fernstudium der „Psychologie und Verhaltenstherapie des Pferdes“ sehr erfolgreich abgeschlossen. Ich griff auf sämtliche Übungen zum Dominanztraining zurück, die ich dort gelernt hatte – vom Abstand halten über Führübungen, Rückwärtsrichten, Abstreichen mit Stick oder Gerte, um ihr die Berührung wieder schmackhaft zu machen, Belohnungstraining, positive und negative Verstärkung…alles, „was man halt so macht“. Merle machte alles mit, sogar gut, aber ich spürte, dass ich jeden Tag immer wieder von vorne anfing, gefühlt gab es keinen Fortschritt, gefühlt griffen die Übungen nicht den Kern des Problems – unsere Beziehung, unsere Kommunikation, unser MITeinander – sondern berührten nur oberflächlich.
Ich wurde immer verzweifelter. Wo sollte ich denn jetzt überhaupt noch einen Anfang finden? Ich wusste nicht mehr, an welchem der Millionen Probleme ich zuerst arbeiten sollte. Also wich ich aus, schob die Probleme auf den Stallwechsel und dass sie sich einfach noch nicht eingelebt hat, dann auf den Fellwechsel, dann auf´s Wetter, an anderen Tagen hatte Merle einfach nur schlechte Laune…und ich redete mir ein, ich muss sie einfach in Ruhe lassen, vielleicht brauchen wir einfach lange, um uns „kennenzulernen“ und näher zu kommen… So habe ich es immer weiter vor mir hergeschoben, es anzugehen – und dadurch wurde es immer schlimmer und sie glitt mir immer weiter aus den Händen und wurde mir immer ferner.

Doch mich hat dieser Zustand wahnsinnig gemacht, enorm runtergezogen und pausenlos beschäftigt. Ich konnte es nicht fassen: Mein großer Traum vom eigenen Pferd, der für mich immer so unerreichbar war und von dem ich nie wusste und nie überzeugt war, dass er jemals in Erfüllung gehen würde, ist in dieser niederschmetternden Form wahr geworden. Schon als Kind hatte ich eine riesengroße Pferdefarm in meinem Zimmer, habe selbst alles Mögliche im Kleinformat gebastelt: Von Weidelandschaft mit schicken Zäunen über eine Holzhütte für den Farmer bis hin zu Pferdeställen und Geschirre für meine Pferde-Kuscheltiere. Auf der Farm habe ich immer gespielt, der Farmer rettet die ganze Pferdewelt. Jedes Pferd, das schlecht behandelt wurde, hat er bei sich aufgenommen und sein Trauma therapiert. – Ja, mein (für mich aus heutiger Sicht) kitschiger Mädchentraum war tatsächlich, später einmal Pferdeflüsterin zu werden. – Und dann das: Ich kam noch nicht einmal mit meinem eigenen Pferd zurecht.
Noch dazu kam, dass ich an einem grausamen Arbeitsplatz gelandet war, an dem Mobbing Dauer- und Normalzustand war, an dem ich kleingehalten und dermaßen erniedrigend behandelt und komplett ausgenutzt worden bin, wo ich von den Kolleginnen hintergangen und belogen wurde und dann dem Chef vorgeführt worden bin (es waren oft gelogene Geschichten, die die Kolleginnen dem Chef über mich oder über Abläufe und Tatsachen von Streitsituationen erzählt haben). Doch der Chef hat immer zu seinem schon so lange bestehenden „Team“ gehalten, in dem ich von Anfang an überhaupt gar keine Chance hatte, ernst und für voll genommen zu werden. Für diese F***-Arbeit habe ich mein komplettes Leben aufgegeben (einerseits wegen ins Unendliche gehender Überstunden, von denen bis heute nicht eine einzige ausgeglichen wurde, andererseits weil der Stressfaktor und die psychische Anspannung den ganzen Tag über so hoch waren, dass ich nicht einen einzigen Nerv und keine Kräfte mehr für etwas anderes übrig hatte): Keine Hobbys mehr, kein Sport mehr, keine Freundetreffen mehr, keine Freizeit mehr, ich bin nebenbei Hobby-Cellistin und habe auch das Cello und meine geliebte Musik fast komplett aufgegeben, bin aus dem Orchester ausgetreten…von der schmerzlich wenigen Zeit, die ich für Merle aufbringen konnte, ganz zu schweigen. Noch 

heute werden meine Hände zittrig, wenn ich davon rede… Ich weiß, es gibt weitaus Schlimmeres, was einem an Unrecht und vor allem an Leid oder auch Krankheit widerfahren kann. Doch für jemanden, der selbst nie sehr stabil war, ist so etwas gefühlt die Hölle auf Erden – da sind oft Psychoterror, Ungerechtigkeiten und das Verhalten der Mitmenschen schlimmer als alles andere.

Dazu kam, dass Merle in der Zeit in einem Stall wohnte, wo die Besitzerin der anderen beiden Pferde mich permanent striezte, mir sagte, ich müsse der Merle mal zeigen, wo es langgeht, die mit erhobener Schüppe auf Merle losging (geschlagen hat sie sie nicht, aber es ist ja so schon schlimm genug), ihr beim Führen den Strick einmal um die Nase band, damit sie nicht zappelte, die mir „ins Gesicht spuckte“, sie hätte Merle niemals an mich verkauft, weil ich absolut nicht fähig bin, mit ihr umzugehen und ihr zu zeigen, wer die Hosen anhat. Wo ich das gerade schreibe, kommen mir die Tränen… Ich war bis dahin schon so weit innerlich geschrumpft, dass ich es mit keinem Wort geschafft habe, mich dagegen zu wehren. Wenigstens habe ich ihr irgendwann verboten, Merle auch nur noch einmal anzufassen. Aber immer und immer wieder kam ich zum Stall und schon wieder hatte sie Merle fast jeden Tag vom Stall auf die Weide gebracht und zurück, ohne mich zu fragen oder mir Bescheid zu geben und obwohl sie wusste, dass ich es nicht wollte und es ihr verboten hatte. Ich mag nicht drüber nachdenken, wie das Führen (wahrscheinlich eher das harte Herumruppen) ausgesehen hat… Einmal, als wir gestritten hatten, hat sie Merle sogar alleine und abgetrennt von den anderen auf die Weide gestellt, ohne mir etwas davon zu sagen. Als ich dann kam, fand ich Merle alleine auf einem kleinen Stückchen Wiese, ein kleiner Wassereimer dabei, in der prallen und heißen Sonne, die wir dieses Jahr hatten, ohne Schattenmöglichkeit. Grausam…

Und so bin ich in diesen Teufelskreis gerutscht: Ich war enttäuscht und frustriert, dass es mit Merle nicht lief, war geknickt und völlig ausgelutscht von der Arbeit, kam in diesem Zustand zu Merle – jeden Tag voller 

Erwartung, es muss doch endlich mal anders werden (wie sollte das gehen, solange ich so drauf war und mich immer weiter in mein Schneckenhaus verkroch?!?), und fuhr nach Hause, enttäuscht von Merle, fix und alle von der Arbeit, wollte Merle woanders unterbringen können, keinen Bock auf morgen, voller Selbstzweifel und immer weiter dabei, das eigene Ich zu verlieren. Die Arbeit, die Stall-„Gemeinschaft“, Merle, ich…das war alles zu viel für mich, um dem standhalten zu können.

So wollte ich Merle abgeben, da ich mich ihr nicht gewachsen fühlte und ich es ihr gegenüber unfair fand, dass sie bei mir war. Ich wollte, dass sie jemandem gehört, der mehr Erfahrung hat und mit ihr umgehen kann, der ihr und ihren Ansprüchen gerecht wird und ihr an Führung und innerer Stabilität das geben kann, was sie braucht, was ich ihr aber nicht bieten und geben kann. Sie war für mich nur noch eine Belastung, sie raubte mir auch noch meine letzten Kräfte und Nerven, die ich sowieso schon nicht mehr übrig hatte. Ich wollte nicht, dass ich ihr dieses Gefühl vermittle, denn sie spürt ja, was ich von ihr denke und halte. Das war einfach ungerecht und verletzend für sie und ich wollte ihr das nicht mehr länger antun.

Doch ich habe es nicht über´s Herz gekriegt. Und dann habe ich an Timo gedacht. Ich bin schon 2015 auf ihn aufmerksam geworden, als er im HR3 auf Sendung war. Ich war damals völlig ergriffen und baff – von ihm als Pferdemensch und von ihm als Person. Das war genau mein Ding, genau meine Vorstellung, wie ich mir einen Umgang und ein Verständnis für Pferde von der ganzen Welt erhoffte. Ich hatte alle seine drei Bücher gelesen. Und schließlich war mir (endlich!!) klar: Wenn es einen auf dieser Welt gibt, der Merle und mir helfen kann, und zwar in der Art, wie ich mir einen Umgang und eine Ausbildung unter Beachtung der kompletten Würde und Ehre und Natur des Pferdes vorstelle und wünsche, dann ist es Timo.
Ich zögerte noch eine Weile, weil ich mir nicht sicher war, ob ich das Geld dafür würde aufbringen können (ich war noch in einer Ausbildung). Doch schließlich siegte, dass ich Merle niemals aufgeben und unbedingt einen 

Weg zu ihr und vor allem mit ihr finden möchte.

Also schrieb ich eine Mail an Timo (ich habe mich nicht getraut, anzurufen, nur um mal ein bisschen deutlich zu machen, wie „wenig“ ich damals war. Als ich erschaffen wurde, ist zwar sowieso scheinbar vergessen worden, mich für einmal schwere Lebensphasen mit ausreichend Reserven an Selbstwert, Rückgrat und Selbstbewusstsein auszustatten, aber auch das letzte Bisschen war bis dahin schon zerstört worden und futsch). Und dann ging alles ziemlich schnell. Auf meine Mail kam sehr zügig eine Antwort, dann füllte ich den Anamnesebogen aus (war ein bisschen überfordert damit, was alles gefragt wurde, weil ich ja bis dahin noch nie so richtig mit Merle gearbeitet hatte), und schon wenige Wochen später kamen Gloria und Timo zu mir und besuchten Merle und mich (das war im März 2018).
Es brauchte gar nicht lange, da hatte Timo Merle und mich komplett durchschaut. Sein erster Satz war: „Regina, mit euch zweien fangen wir nochmal ganz von vorne an.“ Der fast letzte war: „Meine Prognose für dich: Du wirst hier in diesem Stall nicht lange bleiben.“ Ich weiß bis heute nicht, wie er dazu gekommen ist. Es hatte sich bis zu dem Zeitpunkt längst nicht so zugespitzt, wie es am Ende war. Er hat meine damalige „Stallkollegin“ nicht einmal kennengelernt, ich habe auch nicht viel von ihr erzählt. Es ist mir bis heute ein Rätsel…

Naja, seit dem Tag jedenfalls dreht sich Merles und meine Welt komplett andersherum. Ganz am Anfang ist mein kompletter Umgang mit ihr auf ein Minimum reduziert worden: Ich habe ein Trainingskonzept bekommen, nach dem ich nur jeden dritten Tag eine Trainingseinheit hatte. Die Pausentage dazwischen durfte ich Merle nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht gesondert füttern… – kein Befeuern der alten Muster mehr. Alles, was erlaubt war, war mich hinzusetzen und sie zu beobachten. Ich wusste erst nicht, wie ich das schaffen soll. Im Training sollte ich bestimmen, in welchem Tempo und in welche Richtung sie laufen soll. Eine wahnsinnsgroße Herausforderung für mich, weil ich niemals jemand war (und immer noch nicht so ganz bin), der gerne Kommandos gibt und sagt, wer was zu tun hat und wo es langgeht. Ich musste mich extrem zusammennehmen an Pausetagen, und extrem…ja…fast verbiegen, um im Training das zu tun, wozu mich Timo angeleitet hat – konsequent und bestimmend sein und 

hinter dem stehen, was ich sage und was ich will. Und es hat funktioniert – und es hat Welten verändert, vor allem der anfangs so wenige Umgang, der Abstand und das komplette Zurückschrauben von allem, war – würde ich sagen – mit das Wichtigste an allem. Schon nach sehr kurzer Zeit ließ Merle sich berühren und tatsächlich sogar gerne streicheln und kraulen – ohne, dass ich es jemals nochmal geübt habe, es war einfach wieder normal, als hätte sie sich niemals dagegen gewehrt. Beim Führen ordnete sie sich hinter mir ein – auch hier wieder ohne, dass ich es jemals noch geübt und daran direkt gearbeitet habe – überhaupt brauche ich nie mehr an irgendwelchen „Problemen und Macken“ direkt arbeiten, es regelt sich so vieles von alleine, wenn nur erst einmal eine Beziehung und Vertrauen da sind (so z. B. auch das Eindecken: Merle hat sich nicht eindecken lassen, lief weg, sobald ich die Decke nur in der Hand hatte. Ich habe sie den Sommer über nicht mehr damit konfrontiert, mein normales Training gemacht. Und dann jetzt letztens bei den kalten Temperaturen wollte ich ihr zum Abschwitzen die Decke auflegen, sie stand still, als hätte sie seit Jahren nichts anderes gemacht). Im Ring wuchs ich an meiner Aufgabe – und unglaublich daran: Es veränderte mein komplettes Ich. Das „Bestimmen“, das „Ansagen“, das Konsequent-sein und Durchsetzen habe ich mit in meinen Alltag und an meine Arbeit genommen – diese Eigenschaften sind Teil von mir geworden. Und plötzlich habe ich an der Arbeit dem Chef und den Kolleginnen die Stirn geboten, habe widersprochen und mich gewehrt, wenn wieder einmal Unrecht geschah – und ja, ich habe mich auch auf Streits eingelassen und sie teilweise sogar angestachelt, weil ich wieder mehr innere Kraft und Stabilität hatte. Und ich habe gemerkt, dass ich den Chef und die Kolleginnen damit erstaunt habe. Wie oft haben sie den Blick gesenkt vor mir und sind gegangen, ohne noch ein letztes Wort zu sagen (obwohl sonst immer jemand von ihnen das letzte Wort hatte).

Heute wohnt Merle schon seit einigen Monaten in einem neuen Stall (im Endspurt im alten Stall hatte ich es doch noch geschafft, meine alte „Stallkollegin“ von Merle fernzuhalten, sie hat sie am Ende wirklich nicht mehr angerührt – alles den Veränderungen in mir selbst durch Timo und die 

Arbeit mit Merle zu verdanken), ist überglücklich dort, tobt über die Wiesen, ärgert die anderen Pferde (das hat sie vorher nie getan, ich habe sie noch nie zuvor so ausgelassen, entspannt und glücklich erlebt). Ich selbst bin (nachdem ich zum Ende hin zahlreiche gesundheitliche Probleme hatte) endlich ausgestiegen an der Arbeit, zum großen Erschrecken des Chefs und der Kolleginnen – das hat keiner erwartet von der kleinen Regina, dass sie doch so großen Ernst machen und mutig sein kann. Nie mehr habe ich ein Wort vom Chef oder den Kolleginnen bekommen, keiner hat sich geäußert, ich war wie einfach weg (gut, diese Sprachlosigkeit fühlte sich erst an, wie noch damit getreten zu werden, das war hart). Erst war ich am Überschwappen vor Freude und Erleichterung und hätte Bäume ausreißen können, dass dieses Joch vorbei war. Doch dann ist die Stimmung völlig ins Gegenteil gekippt. Es kam sehr vieles hoch, was ich erlebt hatte und was mir angetan wurde. Immer mehr wurde mir deutlich, immer mehr habe ich mich gefragt, warum ich so dumm war und so lange durchgehalten habe. Es hat gedauert, bis ich angefangen habe, es abschließen zu können. Und noch immer kommt es immer mal wieder hoch. Vor allem wird es mir erst mittlerweile (nachdem bisher gute 2 Monate vergangen sind) langsam bewusst, wie ferngesteuert ich nur noch funktioniert habe und wie sehr ich unter Dauerstrom stand. Ich merke erst heute, dass ich mich nicht einmal mehr nur hinsetzen und ein Buch lesen konnte, so dauerhaft aufgebracht war ich innerlich, so sehr war ich nur noch am Rattern. Was ich im Nachhinein der Merle zugemutet und angetan habe mit meinem Gefühlchaos und Psychoterror, tut mir unendlich leid. Doch ich habe in ihr meine Kraftquelle gefunden. Sie gibt mir Halt, ohne sie hätte ich diese Zeit trotz allem nicht geschafft, so sehr es mich zwischendurch auch belastet hat: Merle ist zu meiner Lebens-Lehrmeisterin geworden. Ich lerne so viel von ihr, sie gibt mir so viel, sie lässt mich lernen, wie ich mich selbst verwirklichen und darstellen und behaupten kann.

Für mich kam nie in Frage, sie wegzugeben und „fertig“ wiederzubekommen. Und wo gibt es so etwas, was Timo verbreitet? Nämlich, dass das Pferd und sein Besitzer selbst an ihrer Beziehung und ihren „Problemen“ arbeiten? Es liegt mir absolut fern, jemanden zu beleidigen, schlecht zu machen oder alle über einen Kamm zu scheren, aber meiner Meinung nach sind (aus meiner Erfahrung und seit meiner intensiven Begegnungen mit Timo und Gloria) überwiegend all solche, die sich Bodenarbeitstrainer, Horsemanship-Trainer, Pferdetrainer, Pferdeflüsterer, Pferdeprofi…nennen, alles Kandidaten, die „Problempferde“ aufnehmen, sie „korrigieren“ und dann dem Besitzer zurückgeben, damit dieser sie einsetzen und verwenden kann. Für mich ist das absolut nicht Sinn der Sache. Vor allem ist es für eine langfristige Zukunft von Pferd und seinem Menschen keine Grundlage für eine echte und wahre Beziehung. Fast alles, was es an Ausbildungs- und Erziehungsmethoden für Pferde gibt, ist nicht vom Menschen für das Pferd gemacht, sondern von Menschen für den Menschen – ja, denkt bitte alle mal darüber nach. Kein Wunder mehr (für mich), dass all diese konservativen und üblichen Methoden nicht an den Ursachen greifen. Dank Timo weiß ich auch, warum auch mein Studium Merle und mir nicht helfen konnte und niemals einem „Problempferd“ wird wirklich helfen können. Für mich ist heute vor dem Hintergrund dessen, was ich durch Gloria und Timo erfahren habe, vieles Quatsch, was ich in dem Studium gelernt habe und was an Methoden, Übungen, Pferdetrainings etc. so oft in der Pferdewelt praktiziert wird. Was Timo und Gloria vermitteln, das ist wahr, das hilft, das wirkt, und das ist handfest und man kann sich absolut drauf verlassen, dass vor allem das Pferd absolut respektvoll und rücksichtsvoll behandelt wird. Hier passiert nichts unter Zwang, durch Unterwerfung, durch Stress, Angst oder Gewalt – hier passiert alles, was das Pferd entscheidet, aus freien Stücken. Das ist großartig zu erleben und zu erfahren. Hier wird kein Pferd in irgendein Muster gedrückt oder wird mit „Standardprozeduren“ zu dem gebracht, was es dem Menschen gegenüber können muss. Jedes Pferd soll seine Charaktermerkmale behalten; und jeder Mensch soll so mit seinem Pferd arbeiten, wie es ihm mit seinem Charakter und mit seinen Stärken und Schwächen möglich ist. Der Besitzer soll SELBST mit seinem Pferd arbeiten – das ist genau das, worauf es 

ankommt. Und Timo guckt haargenau auf das, was ZWISCHEN Pferd und Mensch passiert. Und das ist das, weshalb er sich mit allergrößtem Recht von allen anderen „Pferdetrainern“ abheben darf und was ihn als Pferdemediator einzigartig macht.

Nach dem, was ich bisher alles von Timo und Gloria gelernt habe, sehe ich das Pferd und sein Verhalten mit völlig neuen Augen. Ich habe gelernt und lerne immer weiter, Merle zu verstehen, die allerfeinsten Signale wahrzunehmen, die sie mir sendet, unsere Kommunikation wird immer feiner und aufeinander abgestimmter. Und das ist so unfassbar spannend und faszinierend, was da alles passiert, dort hinein- und mit ihr zusammenzuwachsen! Mit an erster Stelle habe ich gelernt, dass sie mich immer durchschaut, ganz egal, wie viel Mühe ich mir auch gebe, etwas zu überdecken. Ich habe anfangs nie Rücksicht auf mich genommen, egal, wie ausgelaugt ich von meinem Arbeitstag war – wenn Training auf dem Plan stand, wurde Training gemacht. Natürlich gingen die meisten davon in die Hose, kann man sich wohl denken. Heute mache ich das anders. Es ist nicht schlimm, wenn mal ein Training ausfällt. Wir haben beide mehr davon, wenn wir mit guter Laune und starken Nerven in den Ring gehen.

Timos Mittel sind innere Kraft und innere Ruhe. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ich kann nur allen sagen: Versucht niemals aktiv daran zu arbeiten, innere Kraft und innere Ruhe aufzubauen, das funktioniert nicht – es macht eher ärgerlich und frustriert. Irgendwann spürt man einfach, dass plötzlich etwas anders ist, dass „gar nichts mehr gebraucht wird“, um das Pferd im fleißigen Tempo zu bewegen, dass irgendetwas da ist, das einfach ausgestrahlt wird und beim Pferd ankommt. Ich muss gestehen, ich habe zwischendurch den Glauben daran verloren und gedacht: „Haha, Timo, was laberst du, wie soll das gehen?“ Aber es geht tatsächlich. Bei mir hat es zwar ein gutes halbes Jahr gedauert, dass ich gespürt habe, da sprüht irgendetwas aus mir heraus. Es ist auch noch lange nicht stabil, aber es ist ganz großartig, es einmal erlebt zu haben, wie sich das anfühlt, wovon Timo immer redet und von dem man sich nur so schlecht vorstellen kann, dass es 

funktioniert.
Ich muss auch zugeben, dass ich manchmal enttäuscht war, wenn Merle gerade einmal wieder besonders aufmüpfig war, ich wieder Angst zu bekommen und aufzugeben drohte, und Timo sich ausgerechnet dann nicht zurückgemeldet hat, wenn ich ihn in solchen Tagen angeschrieben habe. Heute weiß ich bzw. bin ich überzeugt davon, dass er es extra nicht tut. Man muss da einfach selber durch, nur so kann man wirklich stark werden und sich weiterentwickeln. Bekommt man in solchen Phasen das Händchen gehalten, ist es nicht so fruchtbar und wirksam, wie wenn man es alleine durchkämpft. Wenn ich ihn heute noch in stürmischen Zeiten um Hilfe bitte (weil Merle gezielt nach mir ausschlägt oder auf mich losstürmt), er sich aber nicht meldet, fange ich an zu grinsen, weil ich dann weiß: „Ok, Regina, da musst du jetzt selbst durch und kannst nur stärker siegen und noch mehr stolz auf dich sein, wenn du es alleine hinkriegst.“ Timo ist da, wenn man ihn braucht, aber er kann es so verdammt gut dosieren und einschätzen, wann er sich einklinkt und dazuschaltet und wann er ruhig im Hintergrund bleibt und sich zurückhält. Er durchschaut Pferd und Mensch einfach viel zu gut und weiß genau, was er dem jeweiligen Zweierteam zumuten kann. Timo hat noch nie selbst mit Merle gearbeitet. Den ersten Tag, bei der allerersten Begegnung mit Merle, hat Gloria mit ihr gearbeitet, um sie kennenzulernen und „zu testen“, wo wir bei ihr dran sind. Seitdem nur noch ich alleine.

Ich habe eine riesen Hochachtung und ziehe den Hut vor Timo und Gloria. Was sie vermitteln – pferdisch und menschlich – das geht unter die Haut und lässt auch Nicht-Pferde-Menschen über einiges im Leben und der täglichen Begegnung mit seinen Mitmenschen nachdenken und anders machen; es sind riesige Know-Hows zur Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, zum Aufbau innerer Stärke und Größe, zum Stricken eines enorm dicken Fells, die man von Gloria und Timo lernen kann. Es lohnt sich einfach für jeden, diese Menschen kennenzulernen und dadurch stark zu werden, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, ob mit oder ohne Pferd, in welche Richtung auch immer. Und das bekommt man nirgendwo 

sonst.

Es gibt zwar immer wieder Aufs und Abs im Training mit Merle, aber ich begreife und durchblicke immer besser die Hintergründe dafür; außerdem hat uns Timo vorgewarnt, dass es auch sehr stürmische Zeiten geben wird. Doch dazu sage ich mir dann immer: „Da kommen wir schon durch, nur Bäume im Sturm bekommen starke Wurzeln.“
Heute bin ich Merle so dankbar dafür, dass sie mich vor diese Herausforderung gestellt hat, an der ich fast gescheitert wäre und aufgegeben hätte. Sie ist für mich viel mehr als „nur“ ein Pferd geworden, ich sehe in ihr noch so viel mehr, was ich ohne Gloria und Timo nicht erlebt und entdeckt hätte.

Danke an euch beide, dass ihr Merle und mich allein schon bis heute dahin gebracht habt, wo wir jetzt sind. Was mit euch an unserer Seite noch vor uns liegt, da bin ich gespannt drauf, das wird großartig und da freue ich mich drauf – und Merle mit aller Sicherheit auch!

Ganz ganz viele liebe Grüße

Merle mit dem frechen Blick und Regina

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