Geschichte von Petra und Fly

Thema: Pferd reagiert extrem auf jeden Umweltreiz

Wieder eine spannende Kundenrezension:

Fly ein Pferd mit einem extrem hohen >> STRESSPOTENZIAL <<
-> Schreckhaftigkeit, Angespanntheit, Hypernervosität, permanente Unruhe,…
-> Tierärztliche Diagnose erhöhte Herzfrequenz in Ruheposition, etc.

Ein Zustand, der nicht nur für die Menschen in ihrer Umgebung schwierig und gefährlich wurde, sondern vor allem für Fly selbst!

Aber nun die ganze Geschichte…
Vielen Dank Petra! Du hast tapfer durchgehalten und Fly zu einem viel besseren Leben verholfen!

Mein Training mit Timo Ameruoso

Fly ist eine Englisch Vollblutstute, geb. 2006 und war in ihrem ersten Leben ein Galopprennpferd. Diese werden sehr früh, schon mit 1,5 Jahren, eingeritten und gehen mit zwei ins Training. Fly ist drei- und vierjährig Galopprennen gelaufen. Hier war sie zu langsam, so dass sie aus dem Rennsport genommen wurde. Die Vorbesitzerin kaufte sie 2010 direkt von der Bahn und schulte sie zum Reitpferd um. Zu mir kam Fly im Sommer 2012.

Die erste Zeit lief es auch gut mit uns. Als reiner Freizeitreiter ohne Turnierambitionen ritt ich Fly im Gelände, wir waren auch auf ein paar Wanderritten. Außerdem nahm ich regelmäßig Unterricht mit ihr, und wir waren sogar auf externen Kursen unterwegs. Hier zeigte sich Fly schon immer sehr gestresst.

Rückblickend zeigten sich schon 2015 erste Probleme. Fly lief im Gelände in der Gruppe nicht mehr vorne. Bisher war das kein Problem, aber irgendwann lief sie nur noch in der Gruppenmitte. Auch traten vermehrt Rittigkeitsprobleme auf. Der Galopp wurde schwierig: entweder rannte sie unter mir weg oder sie sprang in den Kreuz- bzw. Außengalopp. Ich suchte nach Lösungen, las mich durchs Internet, versuchte es mit Bodenarbeit, clickern und Gelassenheitstraining. Auch Equikinetik bereicherte unser 

Repertoire. Das war – wie ich heute weiß – nur Arbeit an den Symptomen, nicht an der Ursache. Natürlich wurde Fly über alle Jahre regelmäßig dem Hufschmied, Zahnarzt, Osteopathen, Tierheilpraktiker und auch dem Sattler zur Kontrolle vorgestellt. Aber ihre Schreckhaftigkeit, Angespanntheit und ihr Gestresst-Sein wurden immer schlimmer.

Den Tiefpunkt erreichten wir dann 2017, als mit Fly nichts mehr ging. Sie war hypernervös und gestresst, konnte beim Putzen nicht mehr stillstehen und war nur nach außen orientiert. Der Tierarzt diagnostizierte eine erhöhte Herzfrequenz in Ruhe. Das ganze Pferd stand also immer unter Strom. Auch Ausritte waren nicht mehr möglich, sie tänzelte auf der Stelle und wollte nicht mehr vorwärtsgehen. Sie „fror“ quasi ein und starrte in die Ferne. In der Halle lief sie noch einigermaßen, aber auch da hatte sie mich schon in den Sand gesetzt durch ihre Schreckhaftigkeit. Im Roundpen konnte ich auch nicht mit Fly arbeiten. Sie kürzte den Zirkel ab, lief nicht vorwärts, und wenn ich Druck machte stieg vor mir. Im Herbst 2017 war dann Schluss. Mittlerweile ging ich mit Fly nur noch in Begleitung eines anderen Pferdes spazieren. Doch eines Tages riss sie sich los und stürmte konfus davon. Das andere Pferd konnte von der Besitzerin nicht mehr gehalten werden. Es war richtig gefährlich! Für die Pferde und für uns. Zum Glück blieben wir alle unverletzt, aber mir wurde klar – hier muss sich etwas ändern.

Daraufhin machte ich mit Fly nichts mehr, sondern zog eine Tierheilpraktikerin zu Rate, um Flys Nervosität in den Griff zu bekommen. Fly wurde homöopathisch und auch osteopathisch behandelt. Außerdem stellte der Tierarzt eine Zyste am Eierstock fest, woraufhin Fly einer Hormonbehandlung unterzogen wurde. Zusätzlich zu einem neuen Sattel wurde Fly estellt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat Fly sich gut in die Herde integriert.
Ich war ziemlich deprimiert und zweifelte an mir. War ich wirklich der richtige Mensch für Fly? Oder würde es ihr bei einem anderen Besitzer besser gehen? Ich hegte große Zweifel und war sehr traurig, dass es meinem Pferd und auch mir nicht gut ging. Doch aufgeben mochte ich auch nicht. Ich 

musste mir eingestehen, dass ich es nicht alleine schaffen würde, aus Fly wieder ein entspanntes Reitpferd zu machen.

Ich hatte schon länger den Gedanken im Kopf, mir einen externen Trainer zu suchen, der mich mit Fly unterstützt. Ich wollte sie aber auf keinen Fall in Beritt geben, um sie dann „fertig“ wieder zurückzubekommen. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ich auf Timo aufmerksam wurde. Jedenfalls las ich sein Buch „Seitenblicke“ und mir war klar, dass ich es mit dieser „Methode“ versuchen möchte. Ich meldete mich zu einem Einzelcoaching an und füllte den Anamnesebogen aus. Im März 2018 war ich Gast bei einem seiner Workshops: Grundlagen der Pferdepsychologie. Als ich Timo und Gloria live erlebte, war mir klar: Hier bin ich richtig.

Im April 2018 besuchten uns Timo und Gloria zum ersten Einzelcoaching. Ich war mächtig aufgeregt, was da denn auf mich zukommt. Ich war froh, dass ich beide im Workshop zuvor schon persönlich kennengelernt hatte. Es gab überhaupt keine Berührungsängste, im Gegenteil, die Atmosphäre war super herzlich. Bevor wir ins Roundpen gingen, beobachtete Timo Fly und mich in unserem Umgang: Auf der Koppel, auf dem Weg zum Stall, beim Putzen und Satteln. Im Roundpen zeigte sich Fly direkt von ihrer „besten Seite“. Sie galoppierte heftig und hektisch und war sichtlich gestresst. Gloria hatte ziemliches Herzklopfen, da hineinzugehen und hatte sogar Bedenken, dass mein Pferd über die Begrenzung springen würde. In der Reflektionsphase kam Fly überhaupt nicht zur Ruhe, sondern lief weiter durch das Roundpen. Timos Diagnose lautete: Fly ist ein sehr dominantes Pferd mit sehr ausgeprägtem Flucht- und Herdentrieb. Direkt in der Arbeit mit Gloria zeigten sich schon kleine Veränderungen. Klar, Fly war gestresst und genervt, und ihren Unwillen zeigte sie deutlich durch Buckeln und Auskicken. Dann durfte ich mit Gloria ins Roundpen und sie zeigte mir, wie ich bei Fly Tempo und Richtung bestimmen kann. Und tatsächlich … auch ich konnte mit Fly arbeiten.

Das war unser erster Schritt in die richtige Richtung. Ich bekam von Timo ein Konzept, was und wie ich mit Fly alle zwei Tage arbeiten soll: 

Grundlagenarbeit sowie Leistungssteigerung. Von Reiten war erst mal nicht die Rede, was aber auch gut so war.

Die Arbeit im Roundpen bestimmte die nächsten Monate: Grundlagenarbeit: die psychische Seite des Trainings; Leistungssteigerung: zum Konditions- und Muskelaufbau. Der Timer wurde hier mein bester Freund und ich kann jetzt ziemlich genau sagen, wie lange zwei Minuten sind.
Natürlich wird Fly immer noch regelmäßig physiotherapeutisch und osteopathisch behandelt. Die Trainingskonzepte wurden alle paar Wochen an Flys Leistungsstand angepasst. Eine anstrengende, zeitintensive, aber auch gute Zeit.

Ich hielt regelmäßig Rücksprache mit Timo, schickte ihm kurze Videos zur Kontrolle, wir tauschten uns per Telefoncoaching aus und er kam regelmäßig persönlich bei uns vorbei. Zusätzlich saugte ich alles Wissen von Timo auf, durchstöberte das Internet nach mehr Erkenntnissen und Informationen und besuchte alle seine angebotenen „Offenen Trainings“ und Workshops. Ich lernte viel und konnte dadurch Flys Verhalten besser einschätzen und einordnen.

Fly veränderte sich in dieser Zeit sehr. Sie wurde ruhiger, selbstsicherer und veränderte sich körperlich zum Positiven. Früher hatte ich das Gefühl, dass sie nicht gern berührt wurde. Jetzt streckt sie mir den Kopf hin zum Kraulen.

Natürlich gab es auch Rückschritte. Tage, an denen Fly wieder hektisch und nervös im Roundpen galoppierte, ihre „Gruselecke“ wiederentdeckte und mich scheinbar gar nicht mehr wahrnahm. Zum Glück hatte mich Timo davor gewarnt und mich darauf vorbereitet. Ich weiß jetzt, was bei ihr im Kopf passiert und kann damit umgehen und entsprechend reagieren.

Im September 2018 kam Timo zu unserem dritten Einzelcoaching zu uns und endlich starteten wir das Reiten. Schon seit ein paar Wochen hatte ich das Satteln ganz neu nach der Methode der „Reduktiven Konvergenz“ begonnen. Früher hat Fly beim Satteln immer einen Hinterhuf unter den Bauch gezogen und auch in den Anbindestrick gebissen. Heute weiß ich, dass das schon Anzeichen für Sattelzwang waren. Mittlerweile bleibt sie (meistens) entspannt beim Satteln und Angurten. Zusammen mit Timo erarbeitete ich das Aufsteigen (mit reduktiver Konvergenz) und ich saß seit Monaten wieder mal auf Fly. Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Sie war immer noch etwas angespannt, aber das lag vor allen Dingen auch an mir. 

Aber es war kein Vergleich zu früher.

Das war der Einstieg ins Reiten. Unser Konzept beinhaltet zurzeit weiterhin Grundlagenarbeit, Leistungssteigerung, Satteln und Aufsteigen mit reduktiver Konvergenz und einmal pro Woche reiten.

Als „Nebeneffekt“ haben sich viele Probleme ohne gezieltes Training in Luft aufgelöst: Wenn ich Fly in die Box bringe wartet sie gelassen, bis ich ihr das Halfter ausgezogen haben. Früher hat sie sich gleich zu ihrem Heu herumgedreht und mich mitgezogen. Beim Führen läuft sie entspannt hinter mir, früher drängelte sie, überholte mich auch oder blieb erstarrt stehen. Nun beachtet und respektiert sie mich und wird nicht mehr übergriffig, d.h. rempelt mich nicht mehr an oder schubst mich mit ihrem Kopf. Durch die verbesserte Laufmanier hat sich sogar der Schmied-Rhythmus um zwei Wochen verlängert.

Natürlich sind wir noch lange nicht am Ziel. Fly ist immer noch viel nach außen orientiert, lässt sich von Geräuschen oder Bewegungen ablenken. In den Reflektionsphasen kommt sie zwar schon besser zur Ruhe, aber auch da ist ihr Verhalten noch nicht stabil. Die gewünschte Innendrehung bei der Arbeit im Roundpen zeigt Fly noch sehr selten. Und auch ich mache immer noch Fehler bei der Arbeit mit ihr. Ich habe gelernt, dass Fly ganz viel Zeit und Pausen braucht. Eigentlich sind sogar die Pausen am Wichtigsten. Ich muss Ruhe ausstrahlen, mich fokussieren, darf nichts übereilen. Wenn das nicht stimmt, zeigt Fly sofort eine Reaktion. Letztens zum Beispiel habe ich zu schnell gesattelt, d.h. meine Abfolge und Pausen der „reduktiven Konvergenz“ nicht eingehalten. Was war das Ergebnis? Fly ließ mich nicht aufsteigen. Sobald ich den Fuß zum Aufsteigen in den Bügel tat lief sie rückwärts. Ein eindeutiges Zeichen, das ich heute verstehe und annehme. Hier schalte ich dann einen Gang zurück, um es Fly leichter zu machen und das neue – noch kleine – Muster zu stabilisieren. Also lasse ich mir beim nächsten Mal wieder viel Zeit beim Satteln und Aufsteigen. Wenn Fly entspannt bleibt und ich aufsitzen darf, dann steige ich SOFORT wieder ab und beende die Einheit.

Mein Fazit nach acht Monaten Zusammenarbeit mit Timo Ameruoso:

• Durchhalten und Dranbleiben
• Ich bin gespannt auf die nächste Zeit
• Nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen

Fly
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