Geschichte von Astrid und Luise

Thema: Dissoziatives Verhalten - gebrochenes Pferd

Diesmal die Geschichte von einem dissoziativen, extrem introvertiertem und ängstlichem Pferd:

Nach außen hin schien das Pferd ruhig und gut erzogen, im Inneren sah es jedoch ganz anders aus. Aber lest selbst….

Es freut uns unglaublich, dass sich immer mehr Kunden trauen, die Geschichte von ihren Pferden zu erzählen!
Herzlichen Dank an Astrid und ihre Luise!
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Mein Seelenpferd Luise
oder wie Pferde still zerbrechen
Luise zu beschreiben ist fast unmöglich wenn man sie nicht erlebt hat.
Sie ist eins der Pferde die bis zur Selbstaufgabe immer noch alles richtig machen, nie Fehler machen wollen und still und leise vor sich hinleiden bis von ihrer Seele nichts mehr übrig ist.
Schon allein die Geschichte wie sie dann letzendlich bei mir landete war ein Umweg
Ich hielt eigentlich nach etwas ganz anderem Ausschau und hatte mich auch schon für einen 15 jährigen Wallach entschieden, für den ich auch schon eine Zusage gemacht hatte.
Nun brach in diesem Stall die Druse aus und ich musste warten, kein Problem dachte ich mir. Nach ein paar Wochen durchstüberte ich nun doch wieder Verkaufsanzeigen und stiess auf mehere Pferde die mich ansprachen..Ich suchte einen Wallach, weil Stuten war nicht so meins…bis dahin.Die beiden Besitzer dieser Pferde meiner Wahl konnten beide nicht an dem von mir eingeplantem Wochenende und ich suchte weiter…Ich fand Luise !!….Eher aus “ ich hab eh nix zu tun an diesem WE und ein Pferdeanschauen war angesagt “ fuhr ich sie mir anschauen mit meiner Freundin. Sie war mir zu jung, eine Stute und eigentlich wollte ich keinen Paint…und dann….kaufte ich sie im Oktober 2017 im Alter von 9 Jahren. Sie schien einfach nur perfekt, im Umgang , unter dem Sattel, schien ausgeglichen und ruhig…einfach nur ein Traumpferd !!
allerdings zeigte sie schon beim ersten Kennenlernen auffälligkeiten..eine übergroße Vorsicht fremden Menschen gegenüber…es schien mir als wenn sie nicht angefasst werden wollte, welches sich dann aber legte im weiteren Umgang, in dem sie sich ohne Probleme dann satteln , führen und reiten liess.
Laut Vorbesitzer “ fremdelte“ sie etwas und war sehr sensibel, eigentlich aber eine coole Socke…
nun das passte ja dann und ich war mir sicher damit umgehen zu können, und fremden gegenüber misstrauisch zu sein, ist ja eigentlich nix schlimmes, bin ich ja auch !
Heute weiss ich das das stark verniedlicht war. Dieses Pferd war ein “ Dampfkochtopf“ der jederzeit und vollkommen unkontrolliert explodieren konnte, und es ist nur Ihrem grossen Herzen zu verdanken und ihrer unsagbaren Ehrlichkeit das sie sich nicht zu einem sogenannten “ Mistvieh “ entwickelt hat. Bei Luise ging alles nach innen was andere Pferde nach aussen tragen.
Das durfte ich dann immer wieder in vielen kleinen alltäglichen Situationen aufs neue feststellen , ob beim Schmied, Tierarzt , anbinden ,putzen ect.,wir freundeten uns zwas schnell an, aber sie schien immer auf der hut zu sein, bei allem was ich mit ihr tat.
Jede kleinste Bewegung verunsicherte sie, lag etwas auf dem Boden, war sie verunsichert.
Eine Situation, die erste eigentlich wo es wirklich schlimm wurde war als ich eine Sattelanprobe hatte und diese Dame in den Stall kam…Luise war angebunden ( ich hatte mir mittlerweile abgewöhnt die fest zu machen, damit sie sich nicht ins Halfter hängen konnte ).. flippte sie vollkommen aus, wurde regelrecht panisch und war kaum wieder zu beruhigen.
Die Sattelanprobe verlief in etwa so, als wenn man einem rohen Ei einen strick umbinden will …wir Menschen bewegten uns in Zeitlupe und trauten uns fast nicht mehr zu atmen nur damit es nicht weiter eskalliert.
Nun , als sie wieder weg war , war Luise wieder die “ alte „…und ich hatte das Gefühl Dr. Jekyll und Mr. Hide gekauft zu haben.
Sie zeigte auch im täglichen Umgang so unscheinbar ihre Angst und Vorsicht…es war nur ein Ohrenzucken bei Berührungen, ein Kopfheben beim satteln, so minimal das ich es kaum bemerken konnte , damit schien sie aber noch umgehen zu können und ich war ja auch jeden Tag da…sie kannte mich.Es schien also alles in Ordnung, WENN nichts aussgewöhnliches passiert, und aussergewöhnlich für sie war eigentlich jede Situation in der etwas nicht alltägliches in ihren Augen “ passierte“..
Bald fiel ich auch in einen gewissen emmotionalen Stress wenn z.b. Tierazt,Schmied ect. anstand, weil ich wusste das es wieder eskalieren würde. Ich wusste das genau das nicht gut für mein Pferd ist wusste aber auch nicht wie ich es abstellen konnte..Es fing an ein Kreislauf zu werden in den wir beide immer mehr reinrutschten.
Auf der anderen Seite war sie perfekt und gab keinen Anlass zu korrektur , sie reagierte auf die leisesten Zeichen und machte einfach alles richtg. Diese Momente genoss ich mit ihr, es war eigentlich die meiste Zeit so weil eben alltäglich. Ich entwickelte das bedürfnis sie in Watte zu packen und alles “ Böse “ dieser Welt von ihr fern zu halten. Trotzdem hatte ich immer das gefühl das sie unter Stress stand, der sich bei ihr so zeigte das sie wie versteinert wirkte und unter dem Sattel vollkommen abwesend…wie eine Marionette !..dort löste sie ihr Stressproblem indem sie anfing zu joggen , es war kaum möglich eine lange seite im schritt zu gehen. Das fing aber erst an nachdem ich sie eine gewisse Zeit geritten hatte…heute weiss ich das es Sattelzwang war.
Mit ihr ins Gelände zu gehen unter dem Sattel fing immer sehr enstpannt an und steigerte sich dann im Laufe des Ausritts in einen“ wunderbaren“ schnellen Schritt der alles andere als entspannend war und sie immer mehr unter Stress kam. 

Irgendwann beschloss ich dieses Pferd eben einfach nicht mehr mit Sattel zu reiten und nur noch Bodenarbeit mit ihr zu machen und ein wenig ohne Sattel mit ihr über den platz zu dümpeln, das schien in Ordnung für sie zu sein…ich hätte auch so weiterleben können, nur wie hätte ich es geschafft Tierazt , Schmied, Wurmkur und fremde Menschen von ihr fernzuhalten…am liebsten wär ich mit ihr auf eine einsame Insel gezogen.
Eigentlich war dieses ganze Pferd nur eine perfekte Marionette, immer darauf bedacht alles richtig zu machen. Sie interpretierte die kleinste Bewegung, ob unter dem Sattel oder z.B. beim longieren als irgendein Kommando. Es war sehr sehr anstrengend für mich und bald versuchte ich mich auch einfach nur noch wenig zu bewegen , alles was ich über Pferde dachte zu wissen schmiss sie einfach über den Haufen und ich fing an zu verzweifeln.
Sie hatte mich in ihr Trauma mit reingezogen und ich veränderte mich zu ihren Gunsten und war damit auch nicht mehr zufrieden, kam wirklich an meine Grenzen und dachte soweit das ich einfach nicht mit ihr umgehen konnte und übernahm ihre Selbstzweifel.
Es gab noch eine weitere Steigerung in Situationen in denen sie sich bedrängt fühlte und keine chance sah wegzukommen, sie fing einfach an zu steigen, aber luisemäßig kündigte sie es ganz sanft an mit leichten Hüpfbewegungen der Vorderhand, die dann einmal damit endeten das sie gezielt mit der Vorhand ausschlug und jemanden in die Rippen traf. Der getroffene hielt sie fest als ich versuchte irgendwie eine Wurmkur in sie hinein zu bekommen.
Heute weiss ich wie verzweifelt sie in dieser Situation gewesen sein muss das sie soweit um ihr Leben fürchtete, denn Luise ist kein bischen “ böse“ in ihrem Inneren !!!
Zu dieser Zeit hatte ich zwei Trainer ausprobiert, mit denen ich aber für mich nicht weiterkam und dir mir auch nicht die Anwort geben konnte was mit meiner Luise nicht stimmte.

Auch die ganzen gut gemeinten Ratschläge und Denkanstöße von seitens Stallkollegen gaben mir nicht das was Luise…und ich…brauchten.
Da ich alles irgendwie ablehnte hielten sie mich irgenwann für verrückt, weil ICH ja das Problem war und nicht mein Pferd….nur das wusste ich ja schon eh, aber ich war schon soweit mit in ihrem Teufelskreis das ich da einfach nicht mehr rauskam.
Nach einer Steigaktion im Gelände die für uns beide sehr gefährlich war, entschloss ich mich Timo zu kontaktieren. Die allerbeste Entscheidung für uns beide!!
Ich hatte ihn schon eine zeitlang bei You Tube im Auge und hatte seine Bücher gelesen und nun war es einfach der Zeitpunkt. Luise und ich brauchten keinen Trainer, sondern etwas „anderes“ und Timo erschien mir “ anders „
Das dumme daran war nur das ich ja eigentlich gar kein ECHTES Problem ( wie geht nicht auf den Hänger, rempelt mich um ect. ) mit meinem Pferd hatte, bis auf die kleine Aussetzer die sehr schwer zu beschreiben waren, da sie ja auch nicht zum dem täglichen Leben gehörten und demnach nur gelegentlich auftraten und steigende Pferde hatte ich ja nun auch hin und wieder dort und da gesehen,auch das Pferde Angst vor dem Tierarzt haben und keine Wurmkur freiwillig nehmen war mir auch bekannt !… ich hatte ja eigentlich ein perfektes Pferd welches alle meine kommandos befolgte, mich ohne Sattel reiten ließ, niemals buckelte, nie durchging,wir unsere gemeinsame Zeit in Harmonie verbrachten …dachte ich damals zumindest. Das wurde mir auch im Stall gesagt…es sei doch alles in Ordnung und ich hätte doch sooo ein tolles Pferd !…JAAAA habe ich…sie ist wunderbar…wir steckten nur in einer tiefen krankheit der Seele, aus denen wir mit herkömmlichen Traingsmethoden nicht mehr raus gekommen wäre, da genau diese ja Luise erst in diese “ Krankheit“ gebracht hatten.
Ich hatte also sehr große schwierigkeiten den Anamnesbogen auszufüllen, ich dachte wenn Timo das liest wird er mich fragen was ich den eigentlich für ein Problem hätte.

Ich rief also vorher einfach mal an und war erstaunt das er sich so viel Zeit für mich nahm und ich mit einem wunderbar offenen und freundlichem Mann sprach, meine erfahrungen mit Trainer Anrufen waren da doch etwas anders geprägt.
Ich hatte ja auch kein wirkliches Problem dachte ich zu diesem Zeitpunkt …und doch hatte ich ein RIESENPROBLEM…wir beide hatten ein RIESENPROBLEM und lebten so nach dem Motto, geteiltes Leid ist halbes Leid und das fühlte sich ganz und gar nicht gut an…Luise wäre daran innerlich zerbrochen und ich wäre daran wohl wirklich verrücht geworden, hätte mich zerstört durch diese Selbstzweifel !
Ihre kleinen großen Hilferufe hatte ich eher mit dem Herzen gesehen als mit dem Auge, klingt komisch ist aber so und war sogar bereit anstatt ihr zu helfen, ich wusste einfach nicht mehr WIE , mit ihr zusammen das Leid zu ertragen, ohne es zu merken.
Dachte auch in kurzen Momenten daran sie wieder abzugeben, spürte aber auch gleichzeitig was für ein großartiges Pferd ich da hatte und war wirklich gewillt alles, aber auch alle zu probieren .Ich bin ein Kämpfer und wie ich heute immer wieder merke…SIE AUCH !!
Ich bekam einen Termin bei Timo und war sehr erleichtert das er mir alles das bestätigte was ich so über mein Pferd “ FÜHLTE “ und nicht in Worte fassen konnte…wie erklärt man ein ( fast )perfektes Pferd ???
Ich bekam meinen Trainingsplan und war erstmal sehr erstaunt…das sollte ALLES sein ??..das bischen Arbeit im Ring, naja, schauen wir mal. Ich hatte auf etwas gehofft was ich noch nicht kannte und die arbeit im Round Pen war mir sowas von geläufig…die Arbeit ja…der eigentliche Sinn allerdings nicht, nicht wirklich !…weiss ich heute, nachdem ich nun seit fast 6 Monaten nach diesem Plan trainiere.

Timo sagte zu mir, das Reiten macht dir ( also ich ) vlt. Spass…aber Luise nicht !!..aha…auch das habe ich erst im laufe des Training verstanden , hatte es aber instinktiv gespürt, da ich ja aufgehört hatte sie zu reiten.
Ich trainiere Luise jetzt seit 6 Monaten nach Timos Konzept und es ist unbeschreiblich wie Luise sich verändert hat körperlich wie auch geistig, die wahre Luise kommt zum Vorschein und mit Luise kommt auch wieder mein wahres ich zum Vorschein !
Für mich ist die Arbeit fast noch wichtiger, ich habe dadurch gelernt mein Pferd zu verstehen und wir beide habe eine wunderbare Beziehung angefangen. Sie ist wahrlich mein Seelenpferd !!…und spiegeln Pferde nicht doch immer wieder uns selbst
Mir sind beim Schreiben immer wieder die Tränen gekommen über dieses wundervolle Pferd und wie sie gelitten haben muss und trotzdem immer noch versucht hat dem Menschen zu gefallen.
Sie ist ein aussergewöhnliches Pferd mit einem riesigen Herzen und einem fantastisch ehrlichem Charackter und jetzt kann ich förmlich beobachten wie auch sie jetzt zu sich selber findet und glücklich wird !
Durch das verstehen von Timos Prinzip, wofür ich 2 Monate brauchte und viel belächelt wurde von anderen im Stall, war sogar die letzte Wurmkur ein Kinderspiel….sie hat sie freiwillig genommen !!!
Auch im täglichem Umgang ist sie viel ausgeglichener und ruhiger, sie kann sich sogar schon entspannen…gleichzeit wird sie “ frech “ und albert darum…und letzlich als ich in den Stall kam…war sie anders…für mich hatte sie “ gestrahlt“…und seitdem haben wir einen “ rückschritt“ im Training…sie hinterfragt , hat eigene Ideen und manipuliert mich wo sie kann….für sie ist es ein großer schritt nach vorne…für mich ist es unbeschreiblich sie so zu sehen, so eine Freude..Timos für mich anfänglich “ einfaches “ Konzept zeigt einen riesen Erfolg…mein Pferd ist aus seinem „Gefängnis “ gekommen !!

Der Umgang mit ihr ist auch für mich viel enspannter geworden…ich traue mich mich wieder zu atmen und frei zu bewegen..haha
Beim Schmied schläft sie förmlich ein und gestiegen ist sie seitdem auch nicht mehr wirklich.
Geritten wird sie immer noch nicht wieder, wir sind jetzt gerade beim satteln, aber ich weiss wenn ich sie wieder reite wird es für uns BEIDE wunderbar sein.
Vielen vielen Dank Timo und Gloria
und meiner Luise, die so tapfer durchgehalten hat …ihr alle habt mir viel gelernt !!
„man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für das Auge unsichtbar“

Luise
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