Geschichte von Astrid und Luise

Thema: Dissoziatives Verhalten - gebrochenes Pferd

Wieder eine spannende Geschichte, die wir teilen dürfen:
Adriano hat sich vom Pulverfass zum Verlasspferd gewandelt!

Liebe Wiebke,
wir sind extrem stolz auf euch zwei, wie ihr entwickelt habt!

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Im Herbst 2016 kaufte ich den 8-jährigen Lewitzer Wallach Adriano und erfüllte mir damit einen Traum.
Ich war als Jugendliche viel geritten, konnte das Hobby aber dann aus den verschiedensten Gründen nicht weiterführen.
Als Wiedereinsteigerin dachte ich mir, dass ein Pferd, das schon ausgebildet ist, für mich zum Lernen gut geeignet wäre. Adriano hatte schon an Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsturnieren teilgenommen.
Die ersten Probleme ließen aber leider nicht lange auf sich warten:
Beim Führen war er respektlos, trat mir in die Hacken und lief vorneweg, dass ich Schwierigkeiten hatte ihn zu halten.
Auf dem Reitplatz scheute er jeden Tag vor einer anderen Ecke, an der er dann partout nicht vorbei wollte.Es dauerte nicht lange und ich lag das erste Mal im Dreck. Weil er sich vor irgendwas erschreckt hatte, war er losgestürmt, mit Buckeln und anschließender Vollbremsung. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben…
Im Gelände scheute er vor allem Möglichen. Hochsitze, Holzstapel, ein Stein am Wegesrand, raschelnde Blätter oder irgendwelche unsichtbaren Geister, die ich nicht wahrnahm. Entweder weigerte er sich dann weiter zu gehen oder er galoppierte unkontrollierbar los und war nur sehr schwer wieder einzufangen. Ich fühlte mich oft wie auf einem Pulverfass, wenn ich mit ihm unterwegs war.
Nach eineinhalb Jahren zogen wir in einen anderen Stall um. Hier hatte Adriano mehr Koppelgang, und eine Reithalle, wo er regelmäßig bewegt werden konnte, ohne bei schlechtem Wetter im Matsch zu versinken.
Nach nur 2 Wochen im neuen Stall war unser Ruf schon gründlich ruiniert:
Bei einer Reitstunde in der Halle wollte ich aufsteigen und saß noch nicht richtig, als Adriano urplötzlich nach vorn stürmte und buckelte.
Ich stürzte mit dem Kopf gegen die Bande und war kurz bewusstlos. Der Reithelm war total zerstört. Der Arzt diagnostiziert eine Gehirnerschütterung und diverse Prellungen.
Es folgten zwei weitere Vorfälle, bei denen er sich einmal beim Longieren losriss, unkontrollierbar über den Reitplatz tobte und dann über den Zaun in eine Koppel sprang, sowie ein weiteres Mal in der Reithalle, wo er sich und andere bei seiner Raserei gefährdete.
Von verschiedenen Seiten wurde mir geraten ihn zu verkaufen.
Meine Reitlehrerin wollte mir keinen Reitunterricht mehr geben und auch im neuen Stall weigerte man sich nun, uns Unterricht zu geben.
Schließlich wurde mir Timo Ameruoso empfohlen.
Ich besuchte seine Homepage und beschloss, ein Einzeltraining zu buchen. Ich füllte den Anamnesebogen aus und kurze Zeit später hatten wir unser erstes Training.
Timo sah sich als erstes Adriano gründlich an. (Dabei stellte er auch fest, dass Adriano Sattelzwang hatte.) Dann beobachtete er uns beide als „Team“, zum Beispiel, wie ich ihn von der Koppel holte. Adriano vorneweg und ich am Strick hinterher, krampfhaft versuchend, ihn im Zaum zu halten.
Dann ging es in den Longier Zirkel. Timo und Gloria zeigten, wie das Training ablaufen sollte und worauf es ankam:
Richtung und Geschwindigkeit bestimmen, sowie Ruhephasen dazwischen.
Ich erhielt den Trainingsplan für die nächsten Wochen.
Kein Reiten mehr, nur das Grundlagentraining. Und einmal die Woche ein Leistungssteigerungstraining. Dazwischen immer einen Ruhetag, an dem er nur auf der Koppel war. Und auch das Satteln wurde neu trainiert, nach dem Prinzip der reduktiven Konvergenz.
Da wir in unserem Stall keinen umzäunten Longier Platz haben, hatte ich mir die Reithalle mit Bändern abgeteilt, das ging dann ganz gut.
Nach einiger Zeit waren erste Veränderungen zu sehen. Adriano wirkte deutlich gelassener, erschreckte sich weniger und ließ sich jetzt am durchhängenden Strick führen.
Das Training wurde alle paar Wochen angepasst, und nach ca. 3 Monaten kamen dann eine kurze Einheit Reiten und ein kleiner Spaziergang dazu.
Es war toll, nach Monaten wieder auf ihm zu sitzen.
Spazieren gehen funktioniert inzwischen am lockeren Strick, ohne dass ich Angst haben muss, dass er losrast.
Wir machen das Training jetzt seit ca. einem Jahr. Zum Teil ist es immer noch recht anstrengend. Immer wieder mal hat er Phasen, bei denen er ziemlich widerspenstig im Training ist. Da heißt es dann, dranbleiben und nicht zweifeln.
Timo hatte mir ja vorhergesagt, dass es Phasen geben wird, bei denen Adriano dieses Kompensationsverhalten zeigen wird.
Inzwischen sind wir bei zwei Reiteinheiten und einem Ausritt in der Woche.
Das Grundlagen- und Leistungssteigerungstraining machen wir weiterhin.
Seit ich Adriano habe, ist er noch nie so ruhig und entspannt im Gelände gegangen. Er geht brav an allem vorbei, was er früher mega gruselig fand.
Beim Reiten gab es keinen einzigen Vorfall mehr, bei dem er gebuckelt hat oder durchgegangen ist.
Es ist wunderbar und fast nicht zu glauben, dass es zu all diese positiven Veränderungen nur durch Timos Training kam. Und das ohne, dass wir zum Beispiel das Führen extra geübt hatten.
Das Bocken, Durchgehen und ständige Erschrecken verringerten sich erheblich oder sind bisher gar nicht mehr auftreten.
Vielen Dank Timo und Gloria für eure Hilfe und Rat, ihr wart das Beste, dass mir und Adriano passieren konnte!
Wiebke
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